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„Dafür werde ich kämpfen“

Beachvolleyballerin Kim Behrens

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Foto: Fédération Internationale de Volleyball

Im Alter von neun Jahren begann Kim Behrens mit dem Volleyballspielen beim Bremer TS Neustadt, bevor sie im Alter von 14 Jahren an den Stützpunkt in Münster wechselte. Mittlerweile gehört die 26-Jährige zu den besten Beachvolleyballerinnen des Landes. In der Einzelrangliste auf Platz vier (im Team auf Platz fünf) hat sie an der Seite von Partnerin Cinja Tillmann zuletzt das Turnier in St. Peter Ording gewonnen und bei der WM in Hamburg einen hervorragenden 17. Platz belegt. Im Interview spricht die gebürtige Bremerin darüber, wie sie zum Beachvolleyball gekommen ist, warum sie Streit mit dem Deutschen Volleyball Verband (DVV) hat und was ihre Ziele für die Zukunft sind.

Frau Behrens, wie sind Sie zum Beachvolleyball gekommen?
Ich habe in der Halle mit dem Volleyball angefangen und schaffte es sogar bis in die Jugendnationalmannschaft. Plötzlich wurde ich aber aus der Nationalmannschaft gekickt, was mir sehr zu schaffen machte. Mein Vereinstrainer hatte mich zu der Zeit der damaligen Beachvolleyball-Nationaltrainerin Silke Lüdike empfohlen. Also bin ich da hin, ohne jemals zuvor Beachvolleyball gespielt zu haben. Dann ging alles ganz schnell. Ich spielte eine deutsche Meisterschaft und eine U19-Weltmeisterschaft. Als ich mich dann zwischen der ersten Bundesliga mit Münster und der Beachvolleyball-Nationalmannschaft entscheiden musste, habe ich mich für Beachvolleyball entschieden.

Welche Voraussetzungen braucht man für Beachvolleyball?
Vor allem Athletik und Koordination. In der Halle gibt es auch die „langen Latten“, die gerade am Netz sehr hilfreich sind, aber hinten im Feld nicht unbedingt ihre Stärken haben. Beim Beachvolleyball braucht man immer noch eine gewisse Größe, aber ebenso eine hohe Körperverfügbarkeit. Hinzu kommt die mentale Ebene – es gibt nicht die Möglichkeit der Auswechslung und man ist auch nur zu zweit auf dem Feld.

Würden Sie sagen, dass Beachvolley eine andere Sportart als der herkömmliche Volleyball ist?
Auf jeden Fall. Die Prinzipien sind zwar die gleichen, aber das taktische Spiel sowie die Aufgabenverteilung des Einzelnen sind komplett anders.

Der Sport zieht sehr viele Zuschauer. Pusht Sie das, wenn Sie auf dem Platz stehen?
Die Stimmung ist in der Regel super. Wenn man beim Warmmachen sieht, wie zuletzt in St. Peter Ording, wie viele Menschen anstehen, um dich spielen zu sehen, ist das ein super Gefühl. Beim Spiel selbst bin ich dann aber im Tunnel und bekomme während der Ballwechsel nicht viel von der Stimmung mit. Dennoch ist es nach einem gewonnenen und spektakulären Ballwechsel natürlich besonders cool, mit dem Publikum zu feiern.

Sie belegen in der deutschen Rangliste als Team einen Top-5-Rang und gehören zu den besten 50 Teams weltweit. Dennoch arbeiten Sie als Polizistin und machen ein Fernstudium. Wie geht das?
Es stimmt, ich bin aktuell bei der Polizei in Stuttgart angestellt, aber für 2019 im Rahmen der Olympiaqualifikation komplett freigestellt. Diese Freistellung ist aber zeitlich befristet und hängt von dem Level ab, auf welchem ich Beachvolleyball spiele.

Und Ihr Psychologiestudium?
Ich bin es aus der Schulzeit sowie vom Studium bei der Polizei gewohnt, für mich allein zu lernen und die Sachen selbst erarbeiten zu müssen. Ich habe mich daran gewöhnt und es gelingt mir in der Regel auch ganz gut. Ich habe jetzt meine Bachelorthesis angemeldet und werde diese 2019 noch abgeben. Ich habe mich schon immer für Psychologie interessiert und dann irgendwann gedacht, dass, wenn ich mir schon die ganzen Bücher durchlese, kann ich mir auch einen Bachelor abholen. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, dann ziehe ich das auch durch.

Konnten, beziehungsweise können Sie vom Beachvolleyball leben?
Die ersten sieben, acht Jahre nicht, wir konnten gerade einmal die anfallenden Kosten davon decken. Mittlerweile ist es meinem Team und mir gelungen, einige Sponsoren hinzuzugewinnen. Dafür sind aber auch die Kosten gestiegen. Die Turniere sind weiter entfernt und die Trainerkosten gestiegen. Dennoch lässt sich sagen: Je erfolgreicher man spielt, desto einfacher ist es finanziell.

Wenn Sie zum Beispiel wie zuletzt eine Europameisterschaft in Moskau spielen, müssen Sie dann die Kosten für Anreise, Unterkunft, Trainer etcetera komplett selbst tragen?
Wenn wir ein Turnier auf der Tour spielen, ja, zumal wir nicht dem Nationalkader angehören. Die einzigen Ausnahmen war die Weltmeisterschaft in Hamburg und die Europameisterschaft in Moskau. Bei der WM wurde ein Großteil der Kosten vom Verband übernommen, und bei der EM versucht der Verband sie teilweise zu übernehmen.

Bekommen Sie Sportförderung?
Ja, aber das ist vergleichsweise wenig. Es ist aber völlig okay, da ich ja bei der Polizei angestellt bin, und von dort meine Bezüge erhalte.

Kim Behrens (links) mit Partnerin Cinja Tillmann. Foto: fr

Zu einem Beachvolleyballteam gehören zwei Spielerinnen beziehungsweise Spieler. Wie trainiert man da eigentlich?
Im Winter trainiert man viel alleine, Technik, Kraft und Ausdauer zum Beispiel. Wenn es dann in die Saison und im Besonderen auf die Turniere zugeht, lädt man sich andere Teams ein, um so zum Beispiel die spielnahen Sequenzen zu trainieren und abzustimmen.

Haben Sie noch Kontakt in Ihre alte Heimat Bremen?
Ja, sehr oft sogar. Meine Familie und Freunde wohnen noch in der Stadt. Außerdem bin ich gerade Tante geworden und versuche immer nach Bremen zu kommen wenn mein Bruder mit seiner Familie da ist. Bremen ist noch immer meine Heimat. Immer wenn ich es schaffe, baue ich einen Zwischenstopp ein.

In Bremen wird derzeit am Haus der Athleten gebaut, in dem junge Spitzensportler gezielt gefördert werden sollen. Ist das etwas, dass Sie damals auch gerne in Anspruch genommen hätten?
Eine super Sache, wenn Bremen sich in diesem Bereich breiter aufstellt. Für mich bot die Sportschule Ronzelenstraße schon eine große Möglichkeit. Es kommt gerade jungen Athletinnen und Athleten zugute, wenn sie nicht schon früh die Heimat verlassen müssen. Ich drücke die Daumen, dass alles klappt.

Welches sind Ihre Ziele für die Zukunft?
Ein großes Ziel für mich persönlich ist es momentan, die Situation im Verband zu klären.

Sie meinen den Rechtsstreit mit dem DVV, der Ihr Team zuletzt bei einigen Turnieren hat streichen lassen?
Genau. Wir fühlen uns ungerecht behandelt. Laut Ranglisten wären wir bei einigen internationalen Turnieren dabei gewesen, durften aber nicht starten, weil der Verband sich für die Nationalteams über die Setzung der Rangliste hinweggesetzt hat. Wir möchten einfach wissen, ob das rechtens ist. Schließlich verbaut man uns so unsere Karriere.
Weil Sie sich so nicht für die Olympischen Spiele 2020 in Tokyo qualifizieren können?
Das wäre mein großes sportliches Ziel gewesen. Es ist ohne die Teilnahme an den Fünf-Sterne-Turnieren aber schlicht nicht möglich. Und bei denen wurden wir, obwohl auf der Teilnehmerliste verzeichnet und startberechtigt – wie zum Beispiel Gstaad – vom Verband abgemeldet.

Und nun?
Für 2020 werden wir uns nicht mehr qualifizieren können. Aber 2024 sind ja wieder Olympische Spiele. Und dafür werde ich kämpfen!