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Abseits des Mainstream

Uli Balß betreibt sein Weltmusik-Label Jaro seit 38 Jahren/ 20. Juni: Hazmat Modine Konzert

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Uli Balß hat seine musikalische Nische gefunden. Sein Label Jaro beheimatet seit 38 Jahren Künstler aus dem Bereich Weltmusik. Foto: C. Kuhaupt

Klein aber fein – so lässt sich das in Bremen ansässige Unternehmen Jaro Medien, bestehend aus Produktionsfirma, Künstleragentur und dem Eigenverlag am besten beschreiben. Firmengründer Ulrich Balß konzentriert sich dabei auf eine musikalische Nische: die Weltmusik. Und es verleitet schon zum Schmunzeln, dass seine Firma ohne einen Abstecher in den Pop so wohl nie existiert hätte.

Eigentlich, erklärt Ulrich Balß, habe er es Dieter Bohlen zu verdanken, dass es sein Label Jaro Medien in der heutigen Form überhaupt gibt. Und das, obwohl zwischen dem was Bohlen macht, beziehungsweise machte, und dem, wofür Balß’ Künstler stehen, musikalisch ganze Galaxien liegen. Balß erinnert sich: „Es war 1989, die Welt noch in Ost und West geteilt und die Berliner Mauer stand noch. Dennoch waren Modern Talking in Russland schon richtige Stars. Damals wurde ich gefragt, ob ich jemand kennen würde, der eine Tournee dort veranstalten könnte. Natürlich kannte ich jemanden. Mich.“ Gesagt getan, man begab sich für sechs Konzerte in den Osten Europas und spielte in den großen Hallen. Balß verdiente damit das Geld, das er brauchte, um sich in der Bismarckstraße mit seiner Firma niederzulassen. Dort arbeitet er bis heute, lediglich ein paar Häuser weiter stadteinwärts. Und auch aus einem anderen Grund wird ihm die Tour für immer im Gedächtnis bleiben: „Wir waren im Rahmen der Tour gerade auf den Weg ins damalige Leningrad (St. Petersburg) als eine KGB-Agentin in den Bus stürmte und Dieter Bohlen, Thomas Anders und mich davon informierte, dass die Berliner Mauer offen sei.“

Labelgründung

Bereits Mitte der 70er Jahre begann Balß, damals noch Student, erste Veranstaltungen wie Kinoabende, Lesungen und eben auch Konzerte in einer alten Zigarrenfabrik in seinem ostwestfälischen Heimatort Enger zu organisieren. Schnell war ihm klar, dass er damit, trotz Studiums der Sozialwissenschaften, seinen Lebensunterhalt verdienen wollte. Erste Tourneen wurden veranstaltet, ein weltweites Netzwerk aufgebaut und der Kontakt unter anderem zu Radio Bremen entstand. Als er feststellte, dass die Vermarktung nicht allein über Konzerte funktioniert, gründete er 1981 sein Label Jaro, welches damals als Abkürzung für Jazz und Rock stand. „Heute sage ich, wenn ich danach gefragt werde, lieber, dass Jaro ja auch das tschechische Wort für Frühling sei“, so Balß mit einem Lächeln. Zwischen Jazz und Rock bewegt sich die Musik, um die sich alles bei ihm dreht, irgendwie immer noch. Obwohl diese Kategorisierungen bei weitem nicht ausreichen. Weltmusik trifft die maßgebliche Stilrichtung von Jaro wohl am ehesten. Die finnische Band Piirpauke bescherte Jaro gleich zu Beginn auch weltweit großes Ansehen. Heute stehen bei dem Label mit The Bulgarian Voices Angelite, Huun-Huur-Tu, Jasper Van’ t Hof und Hazmat Modine Künstler unter Vertrag, die international allesamt sehr hohes Ansehen genießen.

Für Ulrich Balß, dessen Unternehmen mittlerweile um drei weitere Mitarbeiter angewachsen ist, ist es wichtig, dass er hinter dem stehen kann, was er macht. Der Spaß an der Musik soll weiterhin im Vordergrund stehen. Wachstum um jeden Preis ist seine Sache nicht. Vielmehr bietet er für seine Künstler das Komplettpaket an, was aus seiner Sicht unabdingbar in heutiger Zeit für sein Unternehmen ist. „Allein von Albumverkäufen können wir in Zeiten von Streaming-Diensten nicht mehr existieren“, so Balß, der auch darauf verweist, dass es in Bremen kaum noch Musikfachgeschäfte gebe – und somit auch kaum Verkaufsfläche für die Alben seiner Künstler.

Anfang des Jahres hat der 64-Jährige auch das Buch „New York – Past & Present“ herausgebracht, bei dem er sich auf die Spuren seines in den 20er Jahren emigrierten Großvaters macht und welches er auch unter dem Titel „Ein Abend in New York“ unterstützt von zwei Musikern auf Multi-Media-Tournee im Oktober in Bremen vorstellt. Zudem erschienen auf seinem Label zuletzt die „Lauter Werder“-CD sowie das neue Album der New Yorker Blues- und Rootsmusik-Band Hazmat Modine. Und natürlich ließ es sich der gebürtige Ostwestfale und Konzertveranstalter nicht nehmen, dass die Band das Abschlusskonzert ihrer „Box of Breath Tour“ in seiner neuen Heimat Bremen im Congress Centrum gibt.

Hazmat Modine spielen am Donnerstag, 20. Juni, ab 20 Uhr im Congress Centrum Bremen. Weitere Informationen unter www.jaro.de