Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Baby you can drive my car

Baby you can drive my car

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und wagt dabei auch einen Blick hinter die Kulissen. Weitere Geschichten von ihm gibt es unter www.das64er.de.

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Matthias Höllings
Matthias Höllings.

Geht Autokino eigentlich auch zu Hause? Eindeutig ja.

Einfach Bildschirm in der Garage an die Wand tackern und los gehts. Aber bitte nicht rückwärts in die Garage fahren, da im Rückspiegel der Film nicht größer wirkt als auf dem Handy. Im echten Autokino bringt es natürlich mehr Spaß – es sei denn, der Stellplatzanweiser hat gepennt und ein VW-Bulli steht in der ersten Reihe. Das nervt dann genauso wie beim echten Kino, wenn man die Großen vor der Nase hat. Als eigenes Vorprogramm im Autokino habe ich mich dann mal umgeschaut und auf die verschiedenen Automarken geachtet. Dabei sind mir wieder diese ollen Verballhornungskamellen eingefallen wir GOLF = Gerät Ohne Logische Funktion, FIAT = Für Italien Ausreichende Technik oder BMW = Bei Mercedes Weggeworfen.

Auf jeden Fall rückten plötzlich ganz allgemein Autos wieder in mein Blickfeld. Das mag auch der Grund gewesen sein, warum ich plötzlich auf einen Artikel in einer Autozeitschrift aufmerksam wurde. Es ging dort um die Frage, welche Rolle in der Zukunft der Fahrer noch spielt, wenn das Auto selbstständig fährt. Müssen dann neue Konzepte für Airbags, Gurte und Sitze entwickelt werden, um sie den veränderten Positionen und Bewegungsabläufen der Insassen anzupassen? Eine Seite davor hatte ich noch gelesen, dass der neue „Porsche Targa 4S“ immer noch ein Stoffdach über der ersten und eine Glaskuppel über der zweiten Sitzreihe hat. Dazwischen einen verchromten Überrollbügel. 450 PS hat die Karre. Für einen „Selbstfahrer“ finde ich die 143.956 Euro aber zu teuer. Für 56 Euro weniger hätte ich ihn eventuell genommen, aber verchromte Bügel brauche ich nicht – schon gar nicht beim Überrollen.

Noch am selben Tag lese ich in einer Zeitungsbeilage: „Salsa 4 Air“, Vorderräder 360° drehbar – geil, oder? Da hätte man dann endlich keine Probleme mehr beim Einparken. Von schwenkbaren Einzelrädern war in der Anzeige die Rede – das hat nicht mal der teuerste Geländewagen. Abnehmbares Verdeck – fast wie beim Porsche. Fünf-Punkt-Gurtsystem – da können sich alle anderen Autobauer noch eine Scheibe abschneiden. Drei Rückenlehnpositionen und Feststellbremse sind Standard. Alle Achtung, das kommt dem Auto der Zukunft schon sehr nahe. Einen Sicherheitsbügel hat das Gefährt auch, allerdings nicht verchromt. Dafür aber noch eine höhenverstellbare Griffstange – na also, geht doch! Da muss man als Insasse nicht mehr viel selber machen und kommt aus der liegenden Position auch wieder hoch. Stutzig machte mich allerdings der Preis: Der war von 799,99 auf 739,90 Euro heruntergesetzt. Ein Gebrauchtwagen? Nein, der „Salsa 4 Air“ ist ein Kinderwagen: Baby you can drive my car – beep, beep, hm beep, beeb, yeah!