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Süßes von gestern

Baby-Boomer-Böhling

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Auch das eint uns Kinder der Siebziger- und Jugendliche der Achtzigerjahre: die kulinarischen Erinnerungen an die ungesunden, klebrigen und süßen Sachen zum Naschen, die es natürlich nur ausnahmsweise mal gab …

Ich kann mich an den Besuch eines Freundes meines Vaters erinnern, der mir für die Auskunft, dass Papa nicht zu Hause sondern „da und da“ sei, ein Fünfmarkstück in die Hand drückte. Ich war der König der Straße und natürlich schleppte ich den Heiermann mit dem Rest der „Steinberg-Weg-Gang“ sofort in den nächstgelegenen Einkaufsladen, um daraus Süßes zu machen. Es war die größte Tüte mit Lakritz- und Weingummi-Zeug, die ich bis dato gesehen hatte. Salinos, Colaflaschen, Lakritzbrezeln, Gummibärchen, Weingummischlangen, Kaugummikugeln, Teufelchen, Schnuller und so weiter. Wir machten uns also einen überzuckerten Nachmittag und schlugen einander Ausreden vor, die wir zu Hause vorbringen wollten, weil wir beim anstehenden Abendbrot so gar keinen Hunger hatten …

Diese fast romantischen Gedanken an meine unbeschwert vernaschte Kindheit brachten mich neulich auf die Frage, was es eigentlich in der Zeit, als Twix noch Raider hieß, außerdem so an Süßigkeiten gab. Fangen wir doch mal in der Eistruhe an. Weil ich schon immer lieber Sti(e)l als Waffel hatte, waren meine Sommerferien-Eis-Top-Fünf: Dolomiti, Split, Nogger, Flutschfinger und Brauner Bär. Manchmal durfte es auch ein Ed von Schleck sein oder ein Balla – genau, das mit dem Kaugummi unten drin.

Etwas zu trinken dazu, möglichst ebenso zuckerbunt? Gerne!
Wie wäre es mit Tri Top, Capri Sonne, Florida Boy Orange oder diesem dreieckigen Tetrapack mit Sunkist-Saft? Dazu reichen wir gerne ein Schokokuss-Brötchen, das damals noch anders hieß; ein appetitanregendes Portiönchen Ahoi-Brausepulver – natürlich pur, weil man nur dann die schönsten Gesichter ziehen konnte, Erfrischungsstäbchen oder auch Haifisch- und Zitronenkekse, frisch aus der Dose mit dem Bus.

Zum Nachtisch jetzt zur Abwechslung aber mal was Süßes! Vielleicht ein paar Nüsse namens „Treets“ oder „Bonitos“? Unwiderstehliche Zahnzieher wie „Leckerschmecker“ oder „Drei Musketiere“? Schokoriegel-Gaumenfreuden wie „Caramac“, „Banjo“ oder „Nuts“ oder auch ganz besonders raffinierte Leckereien wie „Esspapier“, „Bazooka-“ und „Hubba-Bubba-Kaugummis“, Schaumzucker-Speckstreifen mit Vanille-Aroma, oder eine ganz einfache Leckmuschel in fünf verschiedenen Geschmacksrichtungen? Ich bin sicher, Ihnen fällt noch eine ganze Menge mehr ein. Wenn man das so liest, könnte man meinen, ich hätte als Kind ausgesehen wie Barbapapa. Aber ich kann Sie beruhigen, denn ich denke hier an Dinge zurück, die es eben nicht jeden Tag gab. Deshalb kann ich mich übrigens auch nicht mehr an jeden Apfel, jede Birne und jede Mandarine erinnern und ich habe den Verdacht, das hätte auch nur halb so viel Spaß gemacht. Mahlzeit!

 

Infos zur Person: Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen. Ausgewählte Kolumnen sind unter dem Titel „Alle hießen Michael, außer Stefan, der hieß Thomas“ als Buch erschienen.