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Männer und Frauen …

Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen.

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Ich will ja nicht unken … Ehrlich gesagt weiß ich auch gar nicht, wie Unken eigentlich geht, aber das Thema ist dafür einfach auch zu ernst! Um es auf den Punkt zu bringen, brauchte ein großer Bremer Fernsehschaffender, der seinen Künstlernamen dem in seinem Familienwappen vorkommenden Pirol entnommen hatte, nur sieben kleine Worte: „Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen!“ Jedenfalls wird dieser Satz gerne Loriot zugesprochen, auch wenn der ihn vielleicht nie gesagt hat. Egal, diese Worte sind sozusagen universell. Sie könnten ebenso von Alice Schwarzer stammen, von Arnold Schwarzenegger, Pumuckl oder Helene Fischer.

Wir Baby-Boomer haben es ja schon immer geahnt. Wer hat Tom Sawyer denn bitte von seinem Freund Huck getrennt? Das war doch wohl Becky Thatcher. Wer zerstörte uns regelmäßig jeden Western oder jeden Piratenfilm? Richtig, irgendwelche schönen Damen, die den Helden ihre Köpfe verdrehten. Und wer sorgte schon bei den Peanuts regelmäßig dafür, dass wir Jungs alt aussahen? Umgekehrt war es natürlich genauso. Sind wir doch mal ehrlich: Tommy war bei Pippi und Annika doch immer nur das dritte Rad am Wagen und für die weiblichen Fernseh-Vierbeiner wie Lassie, Skippy oder Judy waren ihre männlichen Partner allenfalls Stichwortgeber. Wie harmonisch war es dagegen auf der Ponderosa? Wie friedlich lebten Felix und Oscar in ihrer Männerwirtschaft oder Hanni und Nanni auf dem Reiterhof? Wie stressfrei lief es bei den Mainzelmännchen und bei den drei Engeln für Charlie? Die Beispiele für gut funktionierende Jungs- und Mädchenfreundschaften auf den Bildschirmen unserer Kindheit ließen sich unbegrenzt fortsetzen.

Natürlich gab es Ausnahmen. Aber mal ehrlich, waren die Waltons jemals wirklich spannend? Hat Popeye nicht immer dann richtig Prügel bezogen, wenn er seine Olivia retten wollte, und war Willi in der Freundschaft zu Maja nicht immer eher unterbelichtet? Gut, mithilfe von „Hart aber herzlich“, Paola und Kurt Felix oder Loki und Helmut Schmidt haben auch wir Baby-Boomer gelernt, wie schön Zweisamkeit funktionieren kann. Trotzdem gibt es immer mal wieder Indizien dafür, dass die Geschlechter leider mit zweierlei Maß gemessen werden und zwar im wahrsten Sinne des Satzes. Das musste ich nämlich unlängst wieder einmal in einem Gespräch über den BMI, also den Body-Mass-Index lernen. Als meine Liebste nämlich bei mir einen ungefähren Wert von 23 errechnet hatte, lautete die Bewertung dazu mit hochgezogenen Augenbrauen: „Ich glaube, der Mittelwert liegt bei zwanzig!“ Bei der Errechnung ihres BMI bei ungefähr 21 fiel die Bewertung allerdings ganz anders aus! Diese lautete: „Mit einem BMI von 20 ist man magersüchtig!“ Dieser Dialog hätte auch von Loriot stammen können!