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Kinderstunde

BABY-BOOMER-BÖHLING

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Wenn mir in meiner Babyboomer-Kindheit jemand gesagt hätte, dass es im Jahr 2020 Fünfjährige geben wird, die einen Filmtitel in eine Fernbedienung sprechen, welche dann vom Fernseher selbstständig bereitgestellt wird, hätte ich zuerst einmal gefragt: „Was ist eine Fernbedienung?“  Und danach hätte ich mit den Kopf geschüttelt und mein Gegenüber für geistesgestört erklärt.

In der Zeit, als es noch drei Fernsehprogramme gab – zwei für uns und eines für Englischlehrer–, die man der „HÖRZU“ entnahm, nachdem man Mecki und Pillhuhn ausgeschnitten hatte, konnte man sich so etwas nun wirklich nicht vorstellen. Das mochte vielleicht bei Captain Kirk funktionieren, aber nicht in unserem Wohnzimmer. Da hätte man ja gleich behaupten können, es würde in ferner Zukunft einmal ein Programm ohne Sendeschluss geben oder eines nur für Kinder.

Obwohl … so etwas gab es in den 70er Jahren auch schon. Jawohl – jeden Sonntag, wenn sich die Eltern nach dem guten Sonntagsbraten eine Stunde hinlegen wollten, gab es für uns die sogenannte „Kinderstunde“, und zwar gleich in beiden Programmen. Da mussten man sehr geschickt hin- und herschalten, um keine Sendung zu verpassen. Den Anfang machten meist die „Kleinen Strolche“ im zweiten Programm mit dem dicken Joey, dem sommersprossigen Mickey und der kleinen Farina mit den Rasta-Zöpfen. Nachdem anschließend dann der Kli-Kla-Klawitterbus abgefahren war, musste man im Ersten das feuerrote Spielmobil erwischen, um damit direkt zur Augsburger Puppenkiste zu fahren. Schließlich wollte man ja wissen, ob das Urmel nun endlich richtig sprechen gelernt und ob es der kleine König Kalle Wirsch aus der Falle herausgeschafft hat.

Wenn sich die Kiste wieder schloss, ging es zurück zum ZDF. Dort hatten die Kinder von Bullerbü gerade zu Ende gespielt und man konnte mit Lassie und Timmy Gassi gehen. Bevor die Eltern dann wieder aufstanden und der unumgängliche Sonntagsspaziergang anstand, gab es dann noch ein Treffen mit Pan Tau im Ersten.

Danach war der Sonntag dann eigentlich auch durch. Ich hätte wahrscheinlich überhaupt keine schönen Kindheitserinnerungen an diesen langweiligen Tag ohne Schule und ohne Freunde – hätte es nicht Weggefährten wie Lemmi und die Schmöker, Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt, Skippy, das Buschkänguru, den Spatz vom Wallraffplatz, Plumpaquatsch oder Ratz und Rübe aus der Rappelkiste gegeben. Die Reaktion wäre meiner ähnlich, wenn man mir als Kind erklärt hätte, es gäbe da eine Fernbedienung … Aber das hatten wir ja schon.