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Drei Ecken – ein Elfer!

Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen.

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Immer mal wieder – vor allem bei großen Fußballturnieren – denke ich zurück an meine eigene Fußballerkarriere. Gut, die war überschaubar, aber ich war immerhin Libero bei den Knaben des TSV Plön. Den Libero gibt es im heutigen modernen Fußball nicht mehr, und der wohl berühmteste Vertreter dieser Position ohne Gegenspieler war nach Franz Beckenbauer ein gewisser „Manni“, der im Fernsehen von Thomas Ohrner gespielt wurde – „Manni der Libero“ eben – aber ich schweife ab …

Der Libero wurde auch gerne „letzter Mann“ genannt und bei mir war das doppeldeutig zu verstehen. Nein, ich war nicht der Schlechteste, da gab es immer noch meinen Kumpel Eugen. Ich muss aber schon zugeben, dass ich bei der Spielerauswahl auf dem Bolzer nicht unbedingt als Erster gewählt wurde. Und das spielte sich zumeist so ab: Die beiden Mannschaftsführer stellten sich nur wenige Schritte voneinander gegenüber auf und kamen sich, immer abwechselnd penibel genau einen Fuß genau vor den anderen setzend näher, bis am Ende einer dem anderen auf die Zehen treten konnte. „Piss-Pott“ nannte man das bei uns. Tja und dann wurde gewählt. Der Sieger durfte beginnen. Zuerst traf es die Cracks und dann die weniger guten Spieler bis es dann am Ende hieß: „Gut dann nehmen wir noch Stevie und ihr bekommt Dirk und Eugen!“ Das war schon ziemlich demütigend – auch weil Stevie gut vier Jahre jünger war als wir …

Doch zurück zum lustigen Vereinsleben. Unser Trainer hieß Herr Stricker und die besseren Spieler durften ihn „Stricki“ nennen – das war sozusagen der Ritterschlag innerhalb der Mannschaft. Ich nannte ihn also „Herr Stricker“. Bei den Punktspielen trugen wir blaue Trikots mit einem Hemdkragen und weißen Schnüren, kurze blaue Turnhosen und blaue Stutzen. Die Fußballschuhe hatten entweder drei weiße Streifen oder waren gelb mit einem springenden Raubtier an der Seite. Wer ganz weit vorne war, besaß schon Schuhwerk mit Schraubstollen. Die nutzten Eugen und mir aber auch nichts. Das einzige Tor, das ich in einem Punktspiel schoss, war eigentlich als Rückpass zu Eugen gedacht, der darin stand. Das hatte er aber in der Eile nicht mitbekommen, weil er ja noch seine Vorderleute ordnete. Tja und dabei hatte er dann den Rückpass übersehen oder ich hatte nicht mitbekommen, wie er ordnete – es war jedenfalls ein Eigentor. Eugen und ich wurden ausgewechselt und auf der Rückfahrt im VW-Bulli gnadenlos gehänselt …

Ich hatte danach nicht mehr viele Punktspiele und wollte sowieso schon immer mal Judo ausprobieren. Fußball habe ich dann nur noch auf dem Bolzer gespielt. Passierte einem dort ein Fehler, war er im nächsten Moment vergessen und mir kam auch keiner blöd. Wenn nicht genügend Kinder auf dem Platz waren, haben wir auch gerne mal zu viert oder zu fünft auf ein Tor gespielt. Meine Lieblingsregel bei diesen Partien: „Drei
Ecken – ein Elfer“! Das bedeutete, wenn der Ball dreimal vom Gegner neben oder über das Tor geballert worden war, kriegten die anderen einen Elfmeter. So konnte es passieren, dass auch ich hin und wieder mal ein Tor schoss – ohne Trikot und vor allem ohne Eugen!