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Der Einsendeschluss

Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen.

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Wieder so ein Wort, das verschwunden ist: „Einsendeschluss“. In Zeiten von E-Mails und SMS ist er natürlich überflüssig geworden – warum sollte man auch darauf achten, die Post frühzeitig genug einzuwerfen, damit sie auch nicht zu spät ankommt … sie ist ja längst da.Es gab aber Zeiten, in denen der Einsendeschluss tatsächlich eine Durchschlagskraft hatte. Denken Sie an das Lösungswort beim Kreuzworträtsel oder die Abstimmung von Platzierungen Ihrer Lieblingstitel im Radio. Der berühmteste Einsendeschluss war „Samstag in acht Tagen“ beim „Großen Preis“. Wenn man den verpasste, war die Chance vertan, dass Wim Thoelke den Namen im Fernsehen vorlas. Geschah es aber, hatte man gewonnen und bekam das immer gleich dahingegrinste „Glückwunsch“ von Herrn Thoelke und seiner Assistentin Beate.

Untrennbar mit dem Einsendeschluss verbunden waren zwei weitere postalische Wegbegleiter der ersten Fernsehgeneration: Postfach und -leitzahlen. Erstgenanntes brauchte man zum Beispiel, wenn man ein Autogramm von einer Schlagersängerin oder einem Schlagersänger aus der Hitparade haben wollte. Als Kind habe ich mich schon manchmal gewundert, warum so viele von denen, die da zur Texteinblendung sangen, dieselbe Adresse hatten.
Erst dachte ich, dass die vielleicht alle zusammen in so einem Schlagerwohnheim leben, sich gegenseitig die schulterlangen Seitenscheitelfrisuren föhnen, gemeinsam ihre Schlaghosen bügeln und dann am Samstag alle zusammen in einem mit Prilblumen beklebten Bulli zu diesem Studio der Berliner Union Film fahren: Costa, Rex, Bata, Karel und Bert neben Cindy, Gitte, Wenke, Mary und Vadder Abraham. Später hat mir meine Mutter dann erklärt, dass die Adresse meistens zu der Plattenfirma der jeweiligen Interpreten gehört und die Sängerinnen und Sänger deshalb oft dieselbe hatten. Ich fand meine Idee zu dem Thema schöner – aber bitte …

Bei den Postleitzahlen gibt es übrigens auch eine echte Prominenz. Welche Ziffern schießen Ihnen in den Kopf, wenn Sie an Gewinnspiele, Verlosungen oder Mitmachaktionen aus dem Fernsehen denken? Denken Sie vielleicht an eine Postadresse aus der Zeit, als die Postleitzahlen noch vierstellig waren und die zwei Nullen am Ende auch gerne mal weggelassen wurden? Ich höre Sie geradezu diese unvergessenen Worte sprechen: „65 Mainz 500“. Es war die Postleitzahl des Zett-De-Eff!
Diese Postleitzahl kannte nicht nur jedes Kind, sondern auch alle, die das „Tor des Monats“ mit aussuchten, die gerne einmal bei „Dalli Dalli“ Studiokandidat wären oder mit den Worten: „Licht aus Womm – Spot an, ja!“ in der „Disco“ begrüßt werden wollten, mussten dieses „65 Mainz 500“ auf eine Postkarte schreiben. Das Ergebnis hieß im Fernsehen auch gerne „Zuschriften“ und weil sie oft in großer Zahl ankamen, war auch gerne von „Waschkörben voller Post“ die Rede.

Übrigens gab es auch berühmte Überbringer der Post und ich
hätte mich als Kind gefreut, wenn sie auch mal bei uns ausgetragen hätten – aber Walter Spahrbier oder Onkel Heini aus Uhlenbusch waren nicht für uns zuständig. Bei uns kam immer Herr Schniepel, aber der war auch ganz nett …