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Das kleine Fernsehspiel

Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen.

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Vor gut zwei Jahren habe ich mich in der Sommerausgabe an eine Collage aus deutschen Schlagertiteln gewagt, die uns Baby-Boomern mehr als geläufig sind, um daraus eine kleine Geschichte zu basteln. Auf keine meiner Kolumnen habe ich bisher so viel Resonanz bekommen. Das hat mich ermutigt, mich doch vielleicht auch einmal an eine kleine Geschichte aus Baby-Boomers Fernseherinnerungen zu machen. Et voilà: Neulich Abend war ich noch einmal kurz Auf Achse! Immer nur Büro, Büro, kann es ja auch nicht sein.

Ich hatte Hunger, aber in meiner Männerwirtschaft gab’s nichts mehr. Die Wicherts von Nebenan waren verreist, bei Diesen Drombuschs musste ich gar nicht erst klingeln – da gab es jeden Tag dasselbe Königlich Bayrische Amtsgericht. Und seit meiner Reise nach Miami Vice ich, wie gut Burger schmecken. Ich also runter zu der Frau hinter dem Ladentisch! Mein Lieber Onkel Bill, war der Laden voll! Einmal Hongkong Pfui und eine extra Portion Daktari, bestellte ich und sah mich um. In der einen Ecke spielten Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt, wie wir Unser’n Walter gerne nannten, eine Partie Captain Future. Dallas ich lieber die Hände von Denver sich in Gefahr begibt … Schließlich spielen die Mit Schirm, Charme und Melone – dagegen bin ich doch eher ein Kleiner Maulwurf!

In der anderen Ecke knutschten Jakob und Adele. Ein verrücktes Paar, dachte ich und: Immer noch Ein Herz und eine Seele. Sie hatten sich eine Flasche Magnum bestellt und später wollte er mit seinem Liebling Kreuzberg erkunden und vielleicht noch in irgendeine Muppet-Show gehen – ja, er liebte diese Western von Gestern. Am Flipper stand wie immer mein alter Kumpel Arpad der Zigeuner. Wir kannten uns vom Haus am Eaton Place. Er arbeitete dort als Kurier der Kaiserin und ich hatte den Mork vom Ork bekommen. Was gibt’s Neues aus Uhlenbusch?, nuschelte er und ich wusste nicht recht zu antworten.

Daher stotterte ich: „Ach, nach dem letzten Kli Kla Klawitter gab es Orzowei oder drei Tennis-Schläger und Kanonen bei Familie Feuerstein – sonst ja Eine schrecklich nette Familie aber manchmal Lassie besser in Ruhe – verstehste?“ Er nickte wieder und drehte sich um. Wer war denn das da neben ihm? Da standen Drei Damen vom Grill. Die eine sah aus wie Luzie, der Schrecken der Straße, aber die andere war eine echte Märchenbraut und die Dritte? Eine echt Bezaubernde Jeannie! Drei sind einer zu viel!, dachte ich mir und falls es Hart aber Herzlich werden sollte, hatte ich ja meinen Colt für alle Fälle dabei!

„Hallo ihr Drei Engel für Charlie“, griff ich an, „Wie wäre es mit einem Kir Royal, einem Calimero oder vielleicht einem Rockford? Anruf genügt!“ Da machte es plötzlich Pan Tau und ich flog mit einem Salto Mortale ins Krempoli. Eine der Himmlischen Töchter hatte ihren Barbapapa dabei und der war sofort mit seinem Onkel Bräsig geworden!

Als ich erwachte, stand irgend so ein Landarzt vor mir und fragte mich: „Quincy ihr Alf be Vegas?“ Ich verstand kein Wort. Als ich wieder Ein’ Satz in Manhattan sprechen konnte, haben Sie mich entlassen und ich hab mir vorgenommen: Ich heirate eine Familie!