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Badewannen- Gedanken

Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen.

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Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Also mal abgesehen davon, dass ich eine Badewanne für ein Symbol absoluter Dekadenz sowie völliger Wasser- und Zeitverschwendung halte, finde ich Badewannen toll. Das liegt aber wahrscheinlich vor allem daran, dass ich keine habe und sie für mich deshalb in Hotelzimmern oder Ferienhäusern absoluter Luxus sind, den ich dann auch gerne mal genieße.

Der Genusswert eines Vollbades in der Wanne hat sich für mich im Laufe der Jahre allerdings stark verändert, und jeder Mensch, der zu der Baby-Boomer-Generation gehört, wird dieses Schicksal mit mir teilen. Es gab da nämlich mal eine Zeit, in der die Badewanne für die Kinder der späten 60er sowie der frühen 70er eine Pflichtveranstaltung war. Und je nachdem, wie viele Geschwister man hatte, wurde dieser Badewannenaufenthalt ganz unterschiedlich bewertet.

Das lag daran, dass die Generation unserer Eltern zwar einerseits „wirtschafswunderverwöhnt“ auf ein Vollbad ihrer Kinder in der Wanne bestanden, aber andererseits nicht im Traum daran dachten, das Wasser zwischen den Wannensitzungen auszutauschen. So badete man gemäß Familienhierarchie – also dem Alter nach – in einem und demselben Badewasser. Das war einer der wenigen Momente meiner Kindheit, in dem ich glücklich war, der Erstgeborene zu sein. Es soll übrigens auch Familien gegeben haben, in denen der Papa zuerst dran war…

Besonders erinnere ich in diesem Zusammenhang die ersten Tage nach dem Sommer, als das Baden in der Wanne wieder losging, das Spielen draußen in Wald und Flur aber noch nicht zu Ende war. An diesen Badetagen musste mein armer Bruder nicht selten in eine Wanne steigen, deren Anblick ihn eher an eine Sandkiste erinnerte …
An das schöne U-Boot-Spiel war bei diesen Sichtbedingungen natürlich nicht zu denken. So saßen viele von uns Baby-Boomer-Kindern also meistens samstags in der Badewanne, bevor wir den Abend im Frotteebademantel mit Leberwurstbrot vor dem Fernseher ausklingen ließen. Wer früher badete, guckte dann Raumschiff Enterprise oder SOS-Charterboot und die Spätbaderinnen und –bader verfolgten Hitparade oder Disco. Bei mir ist der Samstagabend untrennbar mit der Wanne verbunden, mit Apfelshampoo, Creme 21 und einem viel zu heißen Föhn.

Tja, und wenn ich heute in irgendeiner Wanne fern der Heimat sitze, dann hoffe ich immer noch insgeheim, dass mir gleich nach dem Baden jemand ein Wurstbrot auf den Schoß legt und die Hitparade anmacht…. Die Hitparade gibt es nicht mehr und mein Wurstbrot muss ich mir heute selber machen aber die Badewanne gibt es immer noch – sie ist nur nicht mehr so groß wie früher.