Start Bremen Jonny blickt auf Werder Aufpassen, sonst droht wieder der Abstiegskampf!

Aufpassen, sonst droht wieder der Abstiegskampf!

Jonny Otten, Jahrgang 1961, machte von 1979 bis 1992 insgesamt 349 Spiele für Werder Bremen, in denen er drei Tore erzielte. Zudem brachte er es auf sechs Einsätze für die Nationalmannschaft. Im STADTMAGAZIN wirft der ehe­malige Linksverteidiger einen monatlichen Blick auf Werder.

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Jonny Otten.

Eigentlich waren wir doch schon längst auf der sicheren Seite. Nach dem Sieg in Bielefeld und den damit vorhandenen elf Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz schien sich zehn Spieltage vor dem Saisonende das Thema Abstieg an der Weser bereits erledigt zu haben. Wie der Schein doch Trügen kann: Nur zwei Spieltage später sind es plötzlich nur noch sieben Zähler Vorsprung – bei noch acht zu spielenden Partien. Die kommenden Gegner heißen Stuttgart, Leipzig und Dortmund. Da könnte es am 30. Spieltag beim Match gegen den direkten Konkurrenten aus Mainz vielleicht schon wieder zu einem Endspiel kommen. Zumal danach mit Union, Leverkusen, Augsburg und Mönchengladbach auch noch harte Brocken warten. Ein Selbstgänger wird das auf keinen Fall. Jetzt muss Werder aufpassen, um nicht wieder unten reinzurutschen.

Dennoch gibt es aus meiner Sicht keinen Grund zur Panik. Dass man die Spiele gegen Bayern und Wolfsburg würde verlieren können, war klar. Zudem rechne ich nicht damit, dass die Mannschaften, die hinter Werder stehen, weiterhin so zahlreich Punkten wie zuletzt. Aber wer weiß, verlassen würde ich mich darauf nicht. Noch fehlen den Grün-Weißen zehn Zähler zur magischen 40-Punkte-Marke, mit der man bekanntlich nicht absteigen kann. Wahrscheinlich reichen aber auch schon vier oder fünf, wie die letzten Jahre gezeigt haben. Doch auch die müssen erst einmal geholt werden. Trainer Florian Kohfeldt will daran arbeiten, dass sich die Mannschaft spielerisch verbessert und hat durch die Länderspielpause etwas mehr Zeit dafür. Bleibt zu hoffen, dass ihm das gelingt. Denn gerade was das Herausspielen von Torchancen anbelangt, trat die Mannschaft zuletzt sehr bieder auf. Es fehlt in der Offensive einfach an kreativen Köpfen und Spielern, die dem Spiel individuell ihren Stempel aufdrücken können. Kein Wunder, hat man in den vergangenen Jahren mit Max Kruse und Davy Klaasen die vielleicht spielstärksten Kicker der Truppe abgegeben. Werder muss das jetzt als Team lösen. Zum Glück hat die Mannschaft im bisherigen Saisonverlauf gezeigt, dass sie schwierige Situationen als Kollektiv meistern kann. Dafür gilt es noch einmal alle Kräfte zu mobilisieren, um so möglichst schnell einen Haken hinter das Thema Abstieg machen und sich dann schon voll auf die kommende Saison konzentrieren zu können. Am besten beginnt man gleich mit einem Sieg in Stuttgart.