Start Bremen Auf dem Mond mit Käpt’n Nuss!

Auf dem Mond mit Käpt’n Nuss!

Dirk Böhling, Jahrgang 1964, ist Schauspieler, Regisseur, Moderator und Autor. Im STADTMAGAZIN wirft er einen Blick auf seine Generation – und auf Bremen

135
Dirk Böhling
Dirk Böhling, Foto: FR

Ich war dabei. Ich war zwar erst viereinhalb Jahre alt, aber ich war dabei und ich war nicht allein! Es war am 20. oder 21. Juli 1969, als ich zusammen mit meinem Käpt’n mit unserem Schiff auf hohe See ging und dem anderen wichtigen Geschehen dieser Tage zunächst keine weitere Beachtung schenkte.

Gut – es hätte mir auffallen können, dass der Fernseher lief – das tat er sonst um diese Zeit am Vormittag nie. Auch die Tatsache, dass meine Mutter nicht davor saß, sondern in der Küche herumwerkelte und nur ab und zu aus der Tür interessiert in Richtung Mattscheibe lugte, hätte mir ein Zeichen sein können, dass dort etwas Besonderes vor sich ging. Aber – hallo? Was hatte ich damit zu tun? Ich war auf andere Dinge konzentriert, schließlich saß ich in einer für mich schon beachtlichen Höhe und hatte ganz nebenbei Segel zu setzen und auf den Käpt’n zu achten.

Die beachtliche Höhe war die Tischplatte unseres Esstisches, als Segel musste das dazugehörige Tischtuch herhalten und mein Käpt’n war auf einem kleinen Glas abgebildet.
Da lächelte er mich in seiner blauen Uniform, den Kapitänshut auf dem Kopf mit strahlend weißen Zähnen an. Auf seiner linken Schulter saß ein grüner Papagei, namens Lorchen, und wo wir gerade bei Namen sind: Das Schiff hieß Betty und an Bord waren außer dem Käpt’n und mir auch noch Heiner und Tommy. Der war aber eigentlich das Herrchen von Lassie – also muss es wohl ein anderer Tommy gewesen sein …
Die Namen kannte ich aus dem Lied vom Käpt’n. „Potzblitz, wie gut schmeckt mit Genuss die Nougat-Creme für’s Brot …“ sang er da und er hatte Recht – ich hatte schon das halbe Glas weggelöffelt!

Sein Nachname war übrigens „Nuss“ – also der vom Käpt’n. Und mit eben diesem „Käpt’n Nuss“ war ich also an jenem Tag im Juli 1969 auf unserem Esstisch unterwegs, als sich aus dem Fernsehen immer wieder ernst dreinschauende Männer aus einem schwarz-weißen „Apollo-Studio“ meldeten.

Ob sie dem später oft zitierten „kleinen Schritt für den Menschen aber großen Schritt für die Menschheit“ entgegenfieberten, oder aber ihn wieder und wieder kommentierten, kann ich heute leider nicht mehr sagen. Denn erstens war die Schiffsreise mit Käpt’n Nuss für mich damals deutlich spannender und zweitens nahm sie ein für einen Seemann eher unrühmliches Ende – darum erinnere ich mich ja so gut daran. Als ich nämlich das Käpt’n-Nuss-Glas bis zum letzten Viertel ausgelöffelt und nach hohem Seegang in der Kombüse meiner Mutter noch ein Glas Wasser mit TRI TOP Himbeere obendrauf gekippt hatte, war es passiert.30

Ja, auch bei einem Steuermann kommt es vor, dass er mal nicht alles bei sich behalten kann. Aber mal ehrlich, bei einem so bedeutenden Ereignis wie der ersten Mondlandung kann das doch wirklich mal passieren!