Start Bremen Höllings Blick hinter die Kulissen Am Tag, an dem die Mauer fiel

Am Tag, an dem die Mauer fiel

Matthias Höllings, ehemaliger Pressesprecher der ÖVB-Arena, wirft in seiner Kolumne einen Blick auf die ältere und jüngere Vergangenheit und wagt dabei auch einen Blick hinter die Kulissen

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Matthias Höllings
Matthias Höllings.

Wo waren Sie, als die Mauer fiel? Ich war in Dortmund.

Es war beängstigend und sah aus wie auf einem Nazi-Parteitag. Riesige Fahnen mit großen roten Kreuzen hingen von der Hallendecke. Kreuze ohne Haken aus Zimmermannshämmern gestaltet. Sollten Sie beim Wort „Mauerfall“ an die Berliner Mauer gedacht haben, wäre anzumerken, dass die nur im übertragenen Sinne gefallen ist. Genau genommen wurde diese Mauer am 9. November 1989 geöffnet, dann auf ihr herumgehackt und später wurde sie schlicht und ergreifend abgebaut. Die Mauer, bei deren Bau ich zugegen war, entpuppte sich als harmloser, kostete keine Menschenleben und wurde in nur einer Stunde errichtet.

Das war am 14.02.1981 in der Dortmunder Westfalenhalle. Nach London, Los Angeles und New York gastierte dort die Band Pink Floyd mit ihrem neuen Projekt „The Wall“. Tausende
Besucher, einige extra aus der Schweiz, Österreich und aus Israel angereist, sahen dabei zu, wie sich in der ersten Hälfte des Konzertes die Band selber einmauerte. Lied für Lied,
Stein für Stein, bis ein riesiges Ungetüm 14 Meter hoch und 55 Meter breit vor einem aufragte, um dann darauf Trickfilmsequenzen zu projizieren. Angekündigt wurde dieses Spektakel als Jahrhundertereignis – und das war es auch, bis 1989 die Berliner Mauer zu Recht diesen Titel erwarb. Mein Kostenanteil für den Mauerbau in Dortmund betrug damals nur läppische 39 Mark, für die Berliner Mauer wurden 400 Millionen ausgegeben.

Aber was wollte die Band Pink Floyd uns mit diesem Spektakel sagen? Es ging um einen von Lehrern gequälten Jungen namens Pink, verhätschelt von seiner Mutter, der Vater im Krieg gefallen. Später wurde er von seiner Frau betrogen und dann verlassen. Pink errichtete eine imaginäre Mauer um sich („Is Anybody Out There?“) und wurde
drogenabhängig. „Gigantomanisch“ und „überirdisch“ jubelte die Presse damals. Nicht zu unrecht. 23 Sattelschlepper rückten an, 240 Aufbauhelfer schufteten sieben Tage beim Aufbau und benötigten fünf Tage, um alles wieder einzupacken, 250 riesige Styroporquader wurden gestapelt. In der Show durchbrach eine aufblasbare Riesensau mit Scheinwerferaugen von hinten teilweise die Mauer und schwebte über den Köpfen
der Zuschauer. Ein Kampfflugzeug der Marke Messerschmidt flog in Richtung Mauer und explodierte in einem Feuerball.

Im zweiten Teil der Show spielte die Band hinter der Mauer und ließ sich davor von schwarz maskierten Musikern vertreten. Am Ende des Konzertes brach dann die Mauer von oben nach unten in sich zusammen und begrub die ersten drei Zuschauerreihen unter sich. Beabsichtigt oder nicht, es war atemberaubend. Am 16. Oktober gastiert im Metropol Theater Bremen die weltgrößte Pink Floyd Show mit der Coverband Brit Floyd
und möchte an The Wall erinnern, die aber wohl fehlen wird.