Start Bremen Aktuelles „Die Zukunft des Fußballs gestalten“

„Die Zukunft des Fußballs gestalten“

Marco Bode über Werder im Jahr 2030

89
Marco Bode. Foto: MÄR

Wie wird sich Bremen in den kommenden Jahren entwickeln? In unserer Serie „Bremen 2030“ lassen wir prominente Bürger der Stadt einen Ausblick auf die Wesermetropole wagen. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Werder Bremen, Marco Bode (48), wirft dabei einen Blick auf das Fußballgeschäft der Zukunft – und kommt zwischen „50+1-Regel“, „Financial Fair Play“ und Fin Bartels Junior zu interessanten Ergebnissen.

Wie wird sich der Fußball aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren entwickeln?
Marco Bode: „Vorhersagen sind sehr schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen“, hat ein schlauer Mann einmal gesagt (lacht). Ich glaube, dass sich der Fußball in den vergangenen Jahrzehnten sehr stabil gezeigt hat. Spätestens seit der WM 2006 erleben wir auch in der Bundesliga einen Boom mit sehr vollen Stadien und einer in der Regel sehr guten Atmosphäre. Es gibt viele Familien unter den Zuschauern und der Frauenanteil wird immer höher.

Also alles positiv, was die Entwicklung betrifft?
Natürlich gibt es auch weiterhin kritische Aspekte. Zum Beispiel die Gewalt rund um die Stadien herum, Rassismus und Homophobie in einzelnen kleinen Gruppen sogenannter Fans. In dem Bereich würde ich mir eine Veränderung wünschen.

Wie wird sich Werder in den kommenden Jahren verändern?
Ich habe für Werder die Hoffnung, dass es in den kommenden Jahren sportlich vorwärts geht. Wir sind momentan sehr optimistisch, dass wir derzeit nicht nur auf dem Platz, sondern vor allem auch drumherum ein gutes Team zusammenhaben. Zudem haben wir in Bremen eine große Stärke dadurch, dass sich die Menschen in der Stadt und dem Umland stark mit dem Club identifizieren. Meine Vision ist, dass wir uns das erhalten und ausbauen, so dass wir in einigen Jahren und auch darüber hinaus ein Team sein werden, welches sich wieder im oberen Drittel der Bundesliga etablieren kann. Die Aufgabe, in der Liga zu bleiben und dort dann auch erfolgreich zu sein, wird für einen Club wie Werder aber schwierig genug werden.

Vor allem mit Blick auf die Clubs aus England muss man doch von unterschiedlichen Voraussetzungen sprechen.
Es gibt in England eine Premier League, die in einer wirtschaftlich anderen Liga spielt. Das liegt zum einen an den noch höheren Fernsehgeldern als anderswo und zum anderen daran, dass es dort Unternehmen sowie sehr reiche Privatpersonen gibt, die sich diese Clubs leisten. Wie beispielsweise bei Chelsea, Manchester City oder Manchester United. Aber auch Paris St. Germain aus Frankreich ist so ein Beispiel. Ein Trend, der bei Spitzenclubs momentan allgemein in Europa zu sehen ist. Der Abstand zu einem Club wie Werder ist dort schon jetzt riesengroß und die Gefahr, dass diese Distanz noch weiter wächst, besteht durchaus.

Dennoch scheinen Sie durchaus optimistisch in die Zukunft zu schauen …
Weil ich glaube, dass man die Kirche im Dorf lassen sollte. Die Position, die wir als wirtschaftlich durchschnittlicher Bundesligaclub haben, ist gegenüber niederländischen, belgischen, skandinavischen oder sogar französischen und italienischen Clubs bei Weitem nicht schlechter geworden. Deswegen würde ich zusammenfassend schon sagen, dass wir durchaus die Möglichkeit haben, wieder weiter nach oben zu kommen. Voraussetzung ist dabei natürlich, dass wir einen guten Job machen.

Was genau heißt das?
Wir müssen die richtigen Entscheidungen treffen. Das bedeutet, dass wir gute Spieler finden und vor allem gute Spieler ausbilden müssen. Es gibt aus meiner Sicht sehr wohl eine gute Perspektive. Aber es gibt natürlich noch einige andere Faktoren.

Welche?
Es geht dabei um einige Fragen: Wie entwickelt sich die Bundesliga? Werden wir den Trend, den es in England gibt, auch übernehmen? Fällt die 50+1-Regel? Ich hoffe und glaube, dass wir in Deutschland einen eigenen Weg finden werden. Ich bin nicht naiv und sehe auch, was derzeit passiert, dennoch hoffe ich, dass wir auch in Zukunft die Diskussion weiterführen und das „Financial Fair Play“ weiterhin im Blick behalten. Ich habe die Hoffnung, dass wir nicht alles als gegeben hinnehmen, und glaube, dass wir auch gefordert sind, die Zukunft des Fußballs zu gestalten. Wir müssen uns gegen Fehlentwicklungen wehren.

Welche Fehlentwicklungen befürchten Sie mit Blick auf die Zukunft am meisten?
Korruption sowie die Überkommerzialisierung des Fußballs. Ich glaube, dass Clubs, Fans und Spieler begreifen müssen, dass irgendwann eine Grenze erreicht sein kann.

Ist es frustrierend, wenn aufgrund finanzieller Möglichkeiten von außen plötzlich Clubs vor Werder stehen, die es vor zehn Jahren noch gar nicht gab und die weniger als 20 Mitglieder haben?
Ich möchte da nicht von Frustration sprechen. Natürlich gibt es an der einen oder anderen Stelle gewisse Ungerechtigkeiten. Für mich geht es darum, Regeln zu gestalten, die einen gewissen Ausgleich schaffen. Dabei geht es nicht darum, alle gleich zu machen – das geht auch gar nicht. Aber es sollte zumindest so etwas wie ein soziales Netz geschaffen werden. Wir müssen zudem darauf achten, dass private Personen oder Unternehmen nicht unbegrenzte Summen, die ein Club normalerweise gar nicht generieren könnte, in die Clubs geben.

Wie würde Werder sich entscheiden, sollte die 50+1-Regel fallen?
Auch wenn die 50+1-Regel fallen sollte, könnte es durchaus sein, dass wir uns dagegen entscheiden, Investoren aufzunehmen.

Wofür muss Werder stehen?
Wir wollen ein anfassbarer Club bleiben, der für Identifikation steht. Vielleicht ist das in ein paar Jahren unser großes Plus, gerade weil eine gewisse Entfremdung gegenüber den Clubs, die ein bisschen künstlich sind, eintritt. Möglicherweise sind wir dann wieder in einer besseren Position. Ich glaube, das muss unsere Philosophie sein.

Wollen Sie weiter auf den eigenen Nachwuchs setzen?
Auf jeden Fall muss das auch ein Teil unserer Philosophie sein. Wir haben im Leistungszentrum eine sehr hohe Kompetenz, was das Konzept und die handelnden Personen angeht. Bei der Infrastruktur fehlt es allerdings ein bisschen. Wir wollen in den kommenden Jahren in die Infrastruktur, vor allem, was die Ausbildung unserer Talente anbelangt, investieren, um so noch möglichst viele Maxi Eggesteins und Philip Bargfredes herausbringen zu können. Ein wichtiger Baustein ist dabei zudem Thomas Schaaf als Technischer Direktor.

Bleibt Werder ein Ausbildungsverein für die größeren, finanzstärkeren Clubs?
Für Werder wird es immer eine Chance sein, gute Spieler zu entwickeln, herauszubringen und auch weiterzuverkaufen. Dabei können wir dann auch von den Entwicklungen auf den Märkten profitieren. Ein Beispiel dafür ist Thomas Delaney. Natürlich hätte ich ihn gerne an der Weser gehalten. Aber wir konnten für ihn aufgrund der aktuellen Marktsituation einen Preis erzielen, der vor einigen Jahren noch unmöglich gewesen wäre. Auf diese Weise profitiert ein Verein wie Werder dann auch von der aktuellen Entwicklung auf den Märkten.

Worauf werden Sie ihr Hauptaugenmerk legen?
Wir müssen gucken, dass wir in dem, was wir machen, top sind und alles rausholen. Wenn uns das gelingt, können wir dauerhaft in der oberen Hälfte der Liga mitspielen. Wir haben als Ziel für die nächsten Jahre definiert, dass wir einstellige Tabellenplätze belegen und wirtschaftlich solide dastehen wollen. Es kann durchaus sein, dass wir in einem Jahr auch mal Minus machen. Insgesamt wird das aber unser Weg sein.

Wo steht Werder im Jahr 2030?
Durch ein Tor gegen die Bayern im letzten Saisonspiel von Fin Bartels junior werden wir überraschend Deutscher Meister!