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„Ein bremisches Ziel“

Tourismus: BTZ-Chef Peter Siemering im Interview

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BTZ-Geschäftsführer möchte in den kommenden Jahren noch mehr Gäste nach Bremen locken. Foto: BTZ

In den vergangenen Jahren entwickelten sich die Tourismuszahlen für Bremen stetig nach oben. 33.400 Menschen leben mittlerweile vom Tourismus, knapp 2,5 Millionen Übernachtungen verzeichneten die Hotels 2017 im kleinsten Bundesland. Diese Zahl soll langfristig auf 3,4 Millionen steigen. Ein hohes Ziel, welches sich die Bremer Touristik-Zentrale (BTZ) gesteckt hat. Dennoch ist Geschäftsführer Peter Siemering optimistisch, die Erwartungen erfüllen zu können. Im Interview spricht der 64-Jährige darüber, wie er mehr Übernachtungsgäste, Tagestouristen sowie Geschäftsreisende an die Weser locken will.

Haben Sie eine Vision, was den Tourismus für Bremen im Jahr 2030 anbelangt?
Peter Siemering: Natürlich haben wir die. Es ist aber weniger eine Vision als vielmehr eine konkrete Strategie. Es hat ziemlich genau ein Jahr gedauert, bis zum Juni dieses Jahres, bis die neue Landestourismusstrategie (LKT) ausgearbeitet war. Diese hat allerdings 2025 und nicht 2030 als Ziel. Wir müssen also ein bisschen schneller sein. Aber wir wissen, was zu tun ist.

Warum hat es so lange gedauert?
Das Landestourismuskonzept wurde für das gesamte Bundesland erarbeitet. Erstmals haben unter Federführung des Senators für Wirtschaft, Arbeit und Häfen über hundert Leistungsträger aus Kunst und Kultur, Tourismus, Marketing und Agenturen zusammen an der Festlegung von Zielgruppen, touristischen Schwerpunkten und Profilen sowie neuen Entwicklungsmöglichkeiten gearbeitet. In gemeinsamen Workshops, Vortragsveranstaltungen und Präsentationen wurden, die insgesamt drei Konzepte – für das Bundesland und die Städte – erstellt.

Welche Ziele sind das konkret?
Es sind insgesamt sieben Ziele, die die Strategie enthält. Dazu gehört die Steigerung der Übernachtungen bis 2025 um rund eine 1 Million auf 3,45 Millionen im Land Bremen. Es hätte eine normale, eine mittlere sowie eine sehr ambitionierte Entwicklung mit Steigerungsraten von über fünf Prozent sein können. Sozusagen ein bremisches Ziel. Wir haben uns für Letzteres entschieden. Ich bin sehr optimistisch, dass wir das schaffen werden. Außerdem planen wir die Steigerung der Tagesgäste. Da Tourismus anlassbezogen ist, gilt es, auch die Zahl der Veranstaltungen mit dem Fokus auf Kongresse, Tagungen sowie Messen mit überregionaler Ausstrahlungskraft zu steigern und außerdem ganzjährig Angebote zu haben. Wir wollen zudem mehr Wertschöpfung und touristische Einnahmen pro Gast erzielen und Gäste zu Fans machen, das heißt, sie sollen mehrfach nach Bremen kommen. Darüber hinaus müssen wir natürlich die notwendigen Budgets für die Tourismusentwicklung und das Marketing sichern.

Foto: BTZ

Welche Themen wollen Sie inhaltlich stärken?
In Bremen werden die bereits starken Säulen „Kulturelles Erbe“ mit Rathaus, Roland, Schnoor, Weserpromenade und die „Wissens- und Erlebniswelten“ weiter gestärkt, ausgebaut, modern inszeniert und zielgruppengenau vermarktet. Die Themenfelder Kunst- und Kulturerlebnis und Genusskultur sind neue Entwicklungsschwerpunkte in der touristischen Orientierung der Stadt Bremen. Die Genussphilosophie zielt hierbei zum einen auf die Erlebbarkeit der überregional bekannten Marken „Bier, Kaffee, Schokoladen und Wein“ ab. Gleichzeitig soll das Eintauchen in eine urbane, großstädtische und zugleich entspannte Lebenskultur betont werden.

Foto: BTZ

Welchen Stellenwert hat der Tagestourismus für Bremen?
Einen sehr hohen. Das Wertschöpfungsprodukt des Tourismus liegt derzeit bei etwa 1,8 Milliarden Euro. Der Tagestourismus bildet dabei den größten Anteil. Deshalb ist es natürlich auch ein Ziel, die Anzahl der Tagestouristen zu steigern. Tagestourist ist derjenige, der im Schnitt für sechs Stunden nach Bremen kommt, kein Pendler ist, aber eine andere Postleitzahl hat. Es gibt momentan mehr als 40 Millionen Besuche dieser Art pro Jahr. Wir wollen diese Zahlen in den kommenden Jahren aber auch noch einmal neu erheben lassen und werden dabei eng mit der City Initiative und weiteren Leistungsträgern zusammenarbeiten.

Welche Rolle spielen große Veranstaltungen?
Privater Städtetourismus ist in der Regel anlassbezogen. Deshalb wollen wir jeden Monat eine überregional wirksame Veranstaltung, die Gäste nach Bremen zieht. Das sind zum einen ganz neue Veranstaltungsformate. Neben Erfolgsprodukten wie dem Weihnachtsmarkt, Freimarkt oder den Sonderausstellungen in den Museen sind es aber auch typisch bremische Feste wie die Breminale, La Strada oder das Festival Maritim. Es gibt aber auch Veranstaltungen, die eine höhere Aufmerksamkeit verdient haben, wie zum Beispiel die Schiffsparade auf der Weser mit der abschließenden Lampionfahrt. Eventuell kann man dazu auch unterschiedliche Veranstaltungen zu einer neuen, größeren zusammenführen.

Was können Sie als BTZ da konkret machen?
Wir sind nicht allein. Die BTZ geht zum Beginn des kommenden Jahres auf in der WFB und bildet mit Bremen Marketing und Bremen online einen neuen Geschäftsbereich. Das hebt Synergien und schafft neue Kräfte, um die Ziele der Geschäftsfelder des LTK 2025 zu erreichen. Viele Einrichtungen wie die Kunsthalle, das Überseemuseum oder das Universum werden schon mit öffentlichen Geldern unterstützt. Wenn dann Sonderausstellungen konzipiert werden, geht es darum, zusätzlich finanzielle Mittel aus der Privatwirtschaft, von Förderern oder von Stiftungen einzuwerben. In erster Linie können wir als BTZ nicht mit Geld, sondern mit Marketing fördern. Ein gutes Beispiel ist dafür der Sambakarneval. Als kleine Privatinitiative gestartet, ist er mittlerweile zum größten Sambakarneval Europas geworden. Eine Entwicklung, die mich wahnsinnig freut. Etwas, das aus Bremen heraus entstanden ist. Wir haben den Sambakarneval von Beginn an im Bereich Marketing begleitet und unterstützt und so unseren Teil zu dieser Entwicklung mit beigetragen. Diese Marketingmaßnahmen umfassen das komplette Portfolio von Messen, Newslettern, Pressearbeit und Online-Marketing bis hin zur Vermarktung über Reiseveranstalter.

Wie wichtig ist der Geschäftstourismus für Bremen?
Sehr wichtig. Zwischen 60 bis 70 Prozent der Übernachtungen, im Herbst wahrscheinlich sogar noch mehr, gehen auf den Geschäftstourismus zurück. Dahinter steckt das Prinzip „Mice“ – Meetings, Incentives, Congress, Events. An der Stelle schauen wir, ob die Infrastruktur der Stadt ausreicht oder ob wir ein neues Angebot benötigen. Wir wollen uns dabei auf das mittlere bis große Segment konzentrieren – in Deutschland, Europa und auch weltweit. Ein gutes Beispiel dafür war der „Breakbulk Europe 2018“, die größte Messe der internationalen Stückgut- und Schwergutlogistikbranche, der mit mehr als 10.000 Teilnehmern der größte Kongress, der jemals in Bremen stattgefunden hat, war. Zudem kommt im Herbst zum zweiten Mal der „IAC – International Astronautical Congress“. Logistik und Raumfahrt, zwei Themen, die zu Bremen gut passen.