Start Bremen Aktuelles Bremen 2030: Zukunftsvisionen für Stadt und Land

Bremen 2030: Zukunftsvisionen für Stadt und Land

Handelskammer sieht großes Potenzial im kleinsten Bundesland

1893
„Buten un binnen, wagen un winnen“ steht über dem Eingang der Handelskammer. Ein Motto, das man sich von Seiten der Handelskammer Bremen auch für die Zukunft des Bundeslandes wünscht. Foto: Mär

Der Präses der Handelskammer Bremen, Harald Emigholz, hat eine Vision: Er sieht dabei die Hansestadt und Bremerhaven als Paradebeispiele für wirtschaftliche Dynamik, wissenschaftliche Exzellenz sowie die Entwicklung lebenswerter Städte. Und das bereits ab 2030 – wenn dafür gewisse Bedingungen von Politik, Wirtschaft und Verwaltung erfüllt würden. So wurde es auch im so genannten Positionspapier „Perspektive Bremen-Bremerhaven 2030“ niedergeschrieben. In der neuen Serie Bremen 2030 wird das STADT­MAGAZIN in den kommenden Monaten mit diversen Menschen aus Politik, Wirtschaft, Sport und Kultur sprechen und ihre Visionen der Hansestadt präsentieren.

Bremen, das Armenhaus der Republik mit dem schlechtesten Bildungsniveau bundesweit? Harald Emigholz glaubt keinesfalls, dass das so sein muss. Vielmehr sieht der Präses der Handelskammer großes Potenzial im kleinsten Bundesland. „Wenn alle Kraft in Wachstum und Attraktivität der Städte gesetzt wird, sollte das Einwohnerziel im Jahr 2030 in Bremen bei 625.000, also plus 12 Prozent, und in Bremerhaven bei 130.000, das sind plus 14 Prozent, liegen.“ Voraussetzung hierfür sei eine wachstumsorientierte Politik, die eine deutliche Erhöhung der Standortattraktivität für Einwohner und Unternehmen bewirkt, so dass eine Trendumkehr bei der bisherigen Nettoabwanderung von Erwerbstätigen und ihren Familien ins Umland erfolgt und aus dem übrigen Inland wieder deutlich mehr qualifizierte Fachkräfte zuziehen als fortziehen.

Die Handelskammer, so Präses Emigholz, verstehe ihre Positionierung auch als einen konstruktiven Beitrag zur Zukunftskommission des Senats, in der gemeinsam geplant werden soll, auf welchen Feldern sich das Land Bremen in besonderer Weise entwickeln kann und wie hierfür die zusätzlichen Mittel eingesetzt werden müssen, die Bremen mit den Entscheidungen zum künftigen föderalen Finanzsystem ab 2020 zu erwarten hat.
Entstanden ist diese Positionierung mit wissenschaftlicher Unterstützung durch das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) Bremen sowie mit zahlreichen Experten aus Bremen, aus der Region und darüber hinaus. Erstmals hat die Handelskammer in einen solchen Meinungsbildungsprozess auch die Bürgerinnen und Bürger einbezogen und zentrale Fragestellungen in den Sozialen Medien zur Diskussion gestellt.

Punkte des Positionspapiers der Handelskammer:

  • Position als internationale Hafen- und Logistikdrehscheibe stärken
  • Bremen und Bremerhaven als Mobilitätsstädte der Zukunft entwickeln
  • Bremen weiter als nordwestdeutsches Oberzentrum profilieren
  • Bremerhaven als wachsende Stadt voranbringen
  • Digitale Infrastruktur im Land Bremen ausbauen
  • Das Land Bremen als Hotspot für kreative Köpfe etablieren
  • Bildung und Wissenschaft zum Motor der Standortentwicklung machen
  • Das Land Bremen international gut vernetzen
  • Stärken des Landes konsequent kommunizieren
  • Behörden und Ämter im Land Bremen als flexible Dienstleister entwickeln

Das Positionspapier im Internet: www.handelskammer-bremen.de/Perspektive

„Bremen muss sich attraktiv machen“: Interview zum Positionspapier mit Harald Emigholz, Präses der Handelskammer Bremen

Harald Emigholz.
Fordert einen Ruck, der durch Bremen und Bremerhaven geht: Handelskammer Präses Harald Emigholz. Foto: Dustin Weiss

Was wollen Sie mit dem Positionspapier bezwecken?
Durch Bremen und Bremerhaven muss der sprichwörtliche Ruck gehen. Es muss sich vieles ändern, wenn die beiden Städte unseres Bundeslandes nachhaltig wachsen sollen. Und das müssen sie, weil Wachstum kein Selbstzweck ist, sondern die Basis für zusätzliche Wirtschaftskraft, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen. Uns bringt eine Armutsdiskussion nicht weiter. Wir müssen als Standort für Unternehmen attraktiv sein, damit diese sich in Bremen ansiedeln. Nur so können wir Menschen dazugewinnen, die unser Steueraufkommen maßgeblich beeinflussen. Auf diese Weise würde sich das Armutsproblem von ganz alleine entschärfen.

Wie soll das Ihrer Ansicht nach gelingen?
Ein Grundproblem ist, dass schnell nach öffentlichem Geld gerufen wird, wenn Mangel droht. Wir halten einen anderen Weg für richtig: Wir müssen als Stadt attraktiv sein, wir brauchen den Zuzug von Steuerzahlern sowie den Zuzug von Gewerbesteuerzahlern. Darauf richtet sich unser Positionspapier aus. Bremen ist die grünste und eine der am wenigsten dicht besiedelten Großstädte Deutschlands. Es geht dabei auch um die Nachverdichtung bestehender Wohngebiete, aber vor allem brauchen wir die Ausweisung neuer Wohngebiete sowie von neuen Gewerbeflächen. Denn: Ansiedlungswillige Unternehmen schaffen Arbeitsplätze, dadurch wird das Steueraufkommen erhöht und damit die Stadt wieder liebens- und lebenswerter.

Gibt es denn überhaupt den Bedarf an Gewerbeflächen?
Bremen muss sich für Bewohner und Unternehmen attraktiv machen. Wenn derzeit beispielsweise ein Unternehmen an die Stadt heranträte und eine Fläche von 10.000 Quadratmetern benötigen würde, so wäre diese momentan kaum verfügbar. Flächen sind durchaus da, nur eben noch nicht erschlossen. Wenn man kein Angebot vorhält, wird man auch keine Firmen ansiedeln können.

An welche Form von Unternehmen denken Sie bei den Neuansiedlungen?
Am besten an möglichst verschiedene Formen. Wir haben in den 70er und 80er Jahren anhand der Werftenkrise ja schmerzlich gemerkt, was passieren kann, wenn sich nur eine Form von Unternehmen ansiedelt.

Halten Sie die Umsetzung des Positionspapiers für realistisch oder ist es eher als Weckruf gemeint?
Ab 2020 hat das Land Bremen andere finanzielle Rahmenbedingungen. Dann ist der Zeitpunkt gekommen, auf Investitionen für die Zukunft zu setzen. Das Positionspapier ist eine Vision. Denn wenn man keinen Leuchtturm hat, kann auch kein Schiff zu ihm fahren.