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30 Jahre Erfahrung in einem Buch

kessler&partner: Die Wirtschaftskanzlei in der Bremer Innenstadt publiziert zur Nachfolge im Mittelstand

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Dr. Arvid Siebert (links) und Dr. Josef Sommer von der Kanzlei kessler&partner haben dem Thema Unternehmensnachfolge ein ganzes Buch gewidmet. Fotos: JL

Mandanten langjährig zur Seite stehen, sie über Generationen hinweg begleiten und ihnen steuerrechtliche sowie wirtschaftliche Optimierungsprozesse aufzeigen: Diese Arbeitsphilosophie hat sich die Kanzlei kessler&partner auf die Fahne geschrieben. Seit ihrer Gründung 1868 deckt die Kanzlei das gesamte Spektrum der Rechts- und Steuerberatung ab und steht sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen mit fachlicher Expertise zur Seite. Nun haben kessler&partner ein Buch zur Unternehmensnachfolge veröffentlicht, das neben allgemeinen Übersichten auch anschauliche Beispiele und Mustervorlagen enthält. Im Gespräch mit dem STADTMAGAZIN stellten Rechtsanwalt Dr. Arvid Siebert und Steuerberater Dr. Josef Sommer die Inhalte genauer vor und erklärten, warum diese nicht nur für Unternehmer relevant sind.

Wie ist die Idee entstanden, ein Buch über die Nachfolge im Mittelstand zu schreiben?
Dr. Arvid Siebert: Nachdem wir einen Aufsatz zu einer verfassungsrechtlichen Streitigkeit geschrieben hatten, sind wir vom Erich Schmidt Verlag gefragt worden, ob wir nicht gemeinsam ein Buch veröffentlichen wollen. Als Thema haben wir uns dann einen Beratungsschwerpunkt unserer Kanzlei ausgesucht: die Gestaltung der Unternehmensnachfolge im Mittelstand.

An wen richtet sich das Buch?
Siebert: Es richtet sich in erster Linie an den Unternehmer selbst. Außerdem richten wir uns an Privatpersonen, die etwas zu vererben haben. Aber auch für Unternehmensberater und Berufskollegen ist es interessant, weil wir uns mit Themen beschäftigen, die wenig publiziert sind, unter anderem geht es um die Familiencharta, in der zum Beispiel die Unternehmensphilosophie schriftlich niedergelegt werden kann. Im Buch stecken mehr als 30 Jahre Erfahrung.

Für welche Unternehmen ist es besonders wichtig, die Nachfolge zu regeln?
Dr. Josef Sommer: Es ist für jedes Unternehmen relevant. Generell empfehlen wir unseren Mandanten, rechtzeitig über eine Vermögensübertragung nachzudenken. Daher betrifft es alle Unternehmer, die etwas zu vererben haben. Bei kleineren Betrieben geht es oft um geringere Beträge, aber bei größeren kann es sich durchaus um hohe Summen handeln. Die daraus resultierende Erbschaftsteuerbelastung hat nicht nur Auswirkungen auf den Unternehmer selbst und dessen Familie, sondern auch auf die Arbeitsplätze im Unternehmen.

Wie ist das Buch aufgebaut?
Siebert: Wir haben drei Zeitabschnitte: Beginn, Verlauf und Beendigung der unternehmerischen Tätigkeit. In jedem Abschnitt stellen sich folgende Fragen aus einem anderen Blickwinkel: Hat der Unternehmer die richtige Rechtsform gewählt? Hat er die richtigen Vollmachten erteilt? Hat er mit seinem Ehepartner die richtigen Vereinbarungen getroffen? Hat er sachgerechte letztwillige Verfügungen wie Testament oder Erbvertrag niedergelegt, entweder privatschriftlich oder in notarieller Form?

Wie sollte man sich dem Thema nähern und was ist bei der Planung zu berücksichtigen?
Sommer: Man muss sich immer folgende Situation und Fragen vergegenwärtigen: Was ist, wenn ich morgen früh plötzlich nicht mehr in der Lage bin, mich zu kümmern? Habe ich vorgesorgt, für mich selbst und für meine Familie? Wir empfehlen, sich darüber als Unternehmer regelmäßig Gedanken zu machen.

Welche Rechtsgebiete greifen neben dem Steuer- und Gesellschaftsrecht noch, wenn es um die Unternehmensnachfolge geht?
Sommer: Das Familienrecht spielt eine immer wichtigere Rolle. Es gibt zwar noch das klassische Familienbild, aber Patchworkfamilien sind mittlerweile keine Seltenheit. Durch die verschiedenen Formen des Zusammenlebens ist ein vielfältigeres Erscheinungsbild entstanden.

Themen dieser Art sind sehr sensibel. Wie gehen Sie damit um?
Sommer: Gerade bei emotional behafteten Themen wie Nachfolgeregelungen, ist es wichtig, dass alle Beteiligten an einem Tisch sitzen. Auf Beraterseite müssen die Gesprächspartner mit viel Feingefühl ausgesucht werden.

Was passiert, wenn ein Unternehmer verunglückt oder stirbt?
Siebert: Wenn man es nicht anders geregelt hat, gilt die gesetzliche Erbfolge: Bei Familien mit Kindern geht die eine Hälfte des Vermögens an den Ehepartner, die andere an die Kinder. Deshalb sind Vollmachten, Testamente und Eheverträge so wichtig. Das betrifft 25-Jährige genauso wie 75-Jährige.
Sommer: Unternehmen sehen sich in diesem Fall mit schwerwiegenden Folgen und Fragen konfrontiert: Wer übernimmt die Leitung? Was passiert mit den Mitarbeitern?

Warum scheuen sich so viele Unternehmer, die Nachfolgeklärung anzugehen?
Sommer: Man muss sich mit der eigenen Endlichkeit, Unglück und Unfall auseinandersetzen. Das macht man in der Regel nicht gerne. Zunächst muss die Schwellenangst überwunden werden, erst dann kann der Mandant sich mit dem Thema beschäftigen und sich beraten lassen.

Welche typischen Probleme gibt es bei Nachfolgeregelungen?
Siebert: Die Unternehmer haben vielfältige Probleme, die wir in jedem Falle ernst nehmen. Diese ergeben sich meistens aus der individuellen Familienbiografie. Ein Beispiel: Der Unternehmer heiratet zum zweiten Mal. Beide Ehepartner bringen aus vorherigen Beziehungen Kinder mit. Dazu kommt vielleicht noch, dass ein Kind chronisch erkrankt oder aus irgendwelchen Gründen arbeitsunfähig geworden ist. All diese Informationen müssen bei der Nachfolgeregelung berücksichtigt werden.

Welche Fehler begehen Unternehmer, wenn sie sich um die Nachfolge kümmern wollen?
Siebert: Ein typisches Problem ist es, wenn sich der Unternehmer allein beraten lässt. Lebenspartner und Kinder sind schließlich ebenso davon betroffen. Transparenz ist stets die bessere Lösung.
Sommer: Es muss geregelt werden, wer die Firma führen soll und wer nicht. Dabei soll auch der Familienfrieden gewahrt werden. Und das gelingt am besten, wenn offen miteinander gesprochen wird. Unsere Mandanten sollen mit einem guten Gefühl aus der Kanzlei gehen.

Was muss bei der Unternehmensbesteuerung berücksichtigt werden?
Siebert: Neben der Familienstruktur spielen auch andere Fragen eine Rolle. Hat das Unternehmen mehr sogenanntes Verwaltungsvermögen wie Geld oder Immobilien oder handelt es sich um ein Unternehmen mit Produktivvermögen? Im letztgenannten Fall gibt es die Möglichkeit, das Unternehmen steuerlich begünstigt an die nächste Generation zu übergeben.
Sommer: Diese steuerlichen Vergünstigungen werden damit begründet, dass Unternehmen mit Produktivvermögen in der Regel viele Beschäftigte haben und Arbeitsplätze im Erbfall nicht durch eine hohe Erbschaftsteuerbelastung gefährdet werden sollen.
Siebert: Bei Unternehmen mit viel Verwaltungsvermögen sieht es anders aus, da ist die Besteuerung oftmals sehr hoch. Ist die Lebensgefährtin beispielsweise alleinige Erbin, hat sie einen hohen Steuersatz. Sie muss dann unter Umständen Vermögenswerte liquidieren, und dadurch zum Beispiel Einkommensteuer auslösen, um die Erbschaftsteuer zu bezahlen. Da kann unter Umständen über die Hälfte des Vermögens weg sein.

Was ist der erste Schritt, wenn sich ein Unternehmer noch gar nicht mit dem Thema Nachfolge beschäftigt hat?
Siebert: Im Prinzip zum Berater gehen, seine Verhältnisse offenlegen und die Familien- und Vermögensverhältnisse besprechen.